15 Jun
Neue Saison - alte Leiden
mJA Oberliga-Qualifikation in Nordau (noch) nicht geglückt

22 Jun
U19 I mJA
Die mJA hält Ball und Qualifikation in Mildstedt fest.
Am vergangenen Samstag dachten sicherlich alle an das nächste Eis, den Besuch im Freibad, die Grillparty oder das Public Viewing auf der HoWo. Alle? Nein, ein kleine Gruppe gallischer Horster Krieger machte sich auf den Weg in die Mildau-Halle nach Mildstedt, um dort erneut um die Qualifikation zur Oberliga zu spielen.
Unsere Gegner waren die TSV Mildstedt und der ATSV Stockelsdorf. Im Modus "Jeder gegen Jeden" waren die Vorzeichen für alle Arten von Emotionen gegeben. Denn der Modus sah vor, dass der Erste sich direkt qualifiziert, der Zweite Nachsitzen muss und der Dritte ausscheidet. Entsprechend motiviert und taktisch raffiniert wurden die Spiele von allen Mannschaften bestritten.
Spieler, Zuschauer und Trainer aller Teams sorgten dafür, dass die Stimmung in der Halle nicht nur auf Grund der Temperaturen kochte. Bei gefühlten 35 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit war es klar, dass es eine schweißtreibende Angelegenheit werden würde.
Im ersten Spiel der Gruppe hatten wir - wie in der Vorwoche auch schon - die Möglichkeit, die kommenden Gegner im direkten Duell zu beobachten. In Halbzeit eins war die TSV Mildstedt im Angriff und insbesondere in der Abwehr gut aufgestellt und ging mit einer hochverdienten 9:5 Führung in die Pause. Stodo kam jedoch wie verwandelt aus der Kabine. Sowohl die Einstellung als auch die taktische Ausrichtung waren runderneuert. Im Angriff spielte Stodo nun mit zwei Kreisläufern und drei Rückraumspielern und in der Abwehr wurden zwei Rückraumspieler von Mildstedt in enge Manndeckung genommen. Beide taktischen Eingriffe sollten sich auszahlen. Mildstedt war überfordert und konnte keine Mittel gegen diese Formationen finden. Am Ende gewann Stodo mit 20:18. Tolles Comeback der Mannschaft und eine klare Warnung an uns. Kein Ergebnis wäre sicher, kein Vorsprung groß genug.
Für unser erstes Spiel gegen Stodo waren nun die Voraussetzungen klar. Bei einem Sieg unseres Gegners würden sie die direkte Qualifikation sicher haben. Bei einem Sieg von uns würde es bis zum Schluss für alle Mannschaften spannend bleiben. Und was soll ich sagen: Dramatik und Spannung stiegen nun, mit der Luftfeuchtigkeit in der Halle im Einklang, stetig an.
Wir wussten aus der Vorwoche nur allzu gut, dass es nicht nur auf die individuelle Einstellung, auf die Stärken und Schwächen eines Gegners ankommt, sondern auch und vor allem darauf, seine eigenen Chancen und den Ball festzuhalten. Gesagt getan... Erster Angriff, erstes Durchstoßen, zweiter Pass, Ballverlust... "Euer Ernst?!", "Das geht doch nicht schon wieder so los, oder?!", "Alles, nur nicht wieder diese Ballverluste!" Der eine oder andere hatte in diesem Moment vielleicht genau dieses gesagt oder zumindest gedacht. Doch, was soll ich berichten? Es blieb dabei, dies war der Einzige nicht provozierte Ballverlust am gesamten Wochenende. Vielleicht brauchte es nach all der Vorbereitung und dem gemeinsamen Einstimmen auf das Spiel nochmal genau diesen einen Moment, wo alles schief ging und sich jeder sagte: "Nicht heute!" Die Mannschaft hielt fortan den Ball und ihre Chancen auf die Qualifikation fest in den Händen.
Taktisch trat Stodo direkt wieder mit zwei Kreisläufern und drei Rückraumspielern an. Warum auch nicht?! Diese Taktik funktionierte gegen Mildstedt einwandfrei. Doch wir waren hiervon nicht überrascht und hatten uns etwas überlegt. Wir reagierten mit einer Manndeckung von AL gegen RR, dessen RA der Einläufer war und im restlichen Abwehrverbund spielten wir wie eine defensive 5:1 Formation, um dem Rückraum den Schwung zu nehmen und unsere letzte Abwehrreihe, die mit beiden Kreisläufern alle Hände voll zu tun hatte, bestmöglich zu schützen. Dieser Plan ging nicht vollständig auf, aber sorgte zumindest für ein ausgeglichenes Spiel bis zur Pause. In der Abwehr stellte Stodo recht schnell auf eine Manndeckung gegen unseren RR um. Auch dieses Konzept brachte gegen Mildstedt den Erfolg.
Doch das ist so ein Moment, der sinnbildlich für Training und gute Vorbereitung ist. Diese kann in solchen Situationen den Unterschied machen. Und wir waren vorbereitet und die Mannschaft setzte die Trainingseinheiten der vergangenen Wochen sehr gut um. Wir hatten erwartet, dass eine direkte Manndeckung gegen einen unserer Rückraumspieler irgendwann mal kommen könnte und hatten hierfür explizite Auftakthandlungen besprochen. Diese wurden konsequent umgesetzt und die restlichen Angreifer nutzten die Tatsache, dass Stodo quasi in Unterzahl spielte sehr gut aus. Es wurde mit Druck von LA gestoßen, RL hatte immer wieder ein Kleingruppenspiel mit dem Kreis und der Abwehr auf Zwei und Drei und RM und RA nutzten den Platz - die halbe Hallenhälfte - aus und spielten mit ihren Gegnern Katz und Maus. 13 Tore sollten am Ende über diese beiden Positionen fallen. Positiv stach in dieser Phase, insbesondere vor der Pause, LA hervor. Das offensive 1:1 Verhalten war der Schlüssel für die Freiräume auf unserer rechten Angriffsseite und trotz zweier Fehlwürfe zu Beginn war das Selbstvertrauen weiter hoch und so konnten über das gesamte Spiel vier sehr wichtige Tore über diese Position erzielt werden. Zur Halbzeit hieß es dennoch nur 11:10 für uns. Kein Grund also nachzulassen.
Und die Mannschaft ließ nicht nach. Als nun auch RL das angesprochene Kleingruppenspiel für eigene Abschlüsse nutzte, wurden die Räume für RM nur noch größer. Wir konnten uns so langsam, aber stetig absetzen und dem Gegner gingen dann vielleicht auch zum Ende hin die Kräfte ein wenig aus. Am Ende gewannen wir unseren Auftakt mit 23:19.
Doch was bedeutete das nun? Nach anfänglicher und berechtigter Freude über den Sieg war klar, dass nun für alle drei Mannschaften nahezu noch alles möglich war. Einzig Stodo wusste, dass sie nur Zweiter oder Dritter werden können. Also trotz Auftaktsieg gegen den Gastgeber war Zittern angesagt. Aber auch für uns war noch alles möglich. Sieg oder Unentschieden, ja sogar eine knappe Niederlage und wir sind durch. Bei einer hohen Niederlage war aber sogar das Ausscheiden weiter möglich. Die vorhin angesprochene Luftfeuchtigkeit war nicht mehr messbar und auch die Spannung schien auf ihren Siedepunkt zu zulaufen. Aber wir hatten ja alle keine Ahnung, wie viele Geschichten dieses letzte Spiel des Tages noch für uns bereitstellte.
Unser Gegner der TSV Mildstedt spielte direkt mit einer doppelten Manndeckung und zwar gegen RR aber auch gegen RA. Viel Platz also für den Rest des Angriffs. Vor allem RL und RM sollten hiervon profitieren können. Zumindest dachten das alle. Doch es sollte anders kommen. Zu Beginn lief RL heiß. Die direkte Stoßbewegung zwischen Zwei und Drei sorgte für gute Abschlusspositionen aus dem Rückraum, die auch direkt genutzt worden. In dieser Phase war es die richtige Mischung zwischen Mut und Übersicht. Und so konnten wir trotz einer frühen, aber berechtigten Zeitstrafe gegen unseren Kreis nach 9 Minuten mit 5:3 führen. Und dann kam einer dieser Momente, wo dir als Akteur, aber auch als Zuschauer der Atem stehen bleibt. Unser ohnehin schon dünn besetzter Rückraum sollte einen herben Dämpfer erleiden. Doch der Reihe nach. Mildstedts RM zog mit ordentlich Dynamik am Innenblock vorbei und unser Kreis schubste klar ersichtlich für alle - zumindest dachten wir das - den Spieler in unseren RL. Auf der Bank wurden während der Unterbrechung bereits Vorkehrungen für einen Angriff-/Abwehrwechsel mit dem zweiten Kreis besprochen, um eine frühzeitige Hinausstellung zu verhindern. Und dann: Rote Karte für RL... Der Schiedsrichter hatte einen Ellbogenschlag gegen das Gesicht erkannt und dieses Verhalten entsprechend geahndet. Ich bin ehrlich... Ich habe es nicht gesehen, aber aus meiner Perspektive sah es nach einem klaren Schubser und 2min von unserem Kreis aus und wo soll RL denn hin? Er kann sich ja nicht in Luft auflösen... sei es drum... Fortan mussten wir das Spiel nun anders gestalten. Sollte es das gewesen sein? Verlieren wir jetzt hier alles?
Nein! Dieser Moment war auch einer, der gezeigt hat, dass Handball ein Mannschaftssport ist und es nicht auf einen Spieler ankommt, sondern darauf, dass alle füreinander einstehen, kämpfen und gemeinsam immer wieder nach Lösungen suchen. In diesem Fall hieß unsere Antwort, das Kreis auf RL spielt und nach Ablauf der zwei Minuten der zweite Kreis auffüllt.
Also zum Zwischenstand... 30 Minuten trennen uns noch von der Oberliga. Die Bedingungen in der Halle ähneln einer Sauna, wir haben nur zwei Rückraumspieler. Unsere komplette rechte Seite wird in Manndeckung genommen und auf RL steht ein Kreisspieler… was soll da schon schiefgehen, oder?! :)
Was dann passierte, das sieht man oft auch in anderen Sportarten. Eine Mannschaft ist in Unterzahl und plötzlich wachsen die Spieler über sich hinaus. Bis zur Halbzeit war das bei uns definitiv der Fall. Vom neuen Kreis kamen zwei wichtige Tore und überhaupt war die gesamte Mannschaft komplett fokussiert. Die Angriffe wurden variabel und geduldig ausgespielt. Die Bälle wurden sauber verarbeitet und jeder Einzelne nutzte die freien Bälle und erzielte tolle Tore. 14:9 war der Halbzeitstand.
Doch nun sollte unsere härteste Prüfung auf uns warten: unter schwindenden Kräften einem Gegner Paroli bieten, dessen gesamte Saison davon abhing, dieses Spiel noch zu drehen. Mildstedt stellte auf eine offensive 5:1 Deckung um und von Minute zu Minute viel es uns schwerer, mit dem nötigen Druck auf die Zwischenräume zu stoßen. Doch eine Mannschaft besteht nicht nur aus Feldspielern...
In dieser Phase wuchs unser Keeper über sich hinaus. Vor dem Spiel hatten wir noch ein kurzes Gespräch, in dem ein grippaler Infekt zur Sprache kam. Torhüter stellen sich oft selbstlos in den Dienst der Mannschaft, aber mit der Gewissheit und dem Druck, als einziger Keeper in eine Qualifikation zu gehen, vernünftig umgehen zu können, verdient allergrößten Respekt. Schwächephasen können in einer solchen Konstellation nicht ausgesessen werden, sondern man muss Wege finden, sich im laufenden Spiel selbst hier herauszuziehen und Keeper! Du hast echt abgeliefert!!! Noch leicht im Scherz sprachen wir vor dem Spiel über Jordan und Nowitzki, die in Must-Win-Games in den NBA Finals jeweils ihre berühmten Flu Games hatten. Nun wird die internationale Presse nicht über dich schreiben, aber die mJA und ich werden nie vergessen, was du unter diesen Vorzeichen, bei diesen Bedingungen in der Halle und der entscheidenden zweiten Halbzeit geleistet hast. Deine Ruhe und dein Positionsspiel, insbesondere von Außen und bei freien Würfen, hat der Mannschaft den nötigen Rückhalt gegeben.
So stand es sieben Minuten vor Schluss noch plus Drei für uns. Waren wir schon durch? Nein, der beste Krimi des Wochenendes lief weit vor dem Sonntagabend. Plus Zwei und wir kriegen einen 7m. Klare Sache an diesem Wochenende. Unsere 40 stand bei 4von4 und alle waren sowas von souverän verwandelt worden, was soll da schon schiefgehen? Tja, das sind so Momente, die kannst du nicht erklären. Ball rutscht aus den Fingern. Rückgabe in den Schoß des Torwarts. Gegenstoß, nur noch plus Eins. Nächster Angriff, nächster 7m, nächster Schütze. Täuschung aus dem Lehrbuch, Keeper sitzt schon auf dem Boden, Tor ist leer, Ball geht an den Außenpfosten. Gegenstoß, Ausgleich. Noch 5 Minuten zu spielen. Nächster Angriff des Gegners, wieder Tor, minus Eins 2:30 noch zu spielen. Als neutraler Zuschauer denkt man in diesen Momenten: "Deshalb liebe ich diesen Sport!" Alles kann so schnell gehen. Als Aktiver will man einfach nur aufwachen und raus aus diesem "Das kann doch nicht wahr sein!".
Es musste etwas passieren. Eine Auszeit musste her. Doch - und ich kann nicht erklären warum - ich nahm sie nicht. Irgendwas fühlte sich komisch an. Und dann passierte etwas wirklich Komisches, zumindest aus Gegnersicht. Denn wir waren davon nicht überrascht. Ihr erinnert euch noch an unseren neuen RL, unseren eigentlichen Kreis?! Nun, der nahm sich den Ball und tat so, als ob er schon ewig Rückraum spielte und wackelte nach einer tollen Stoßbewegung seinen Gegner aus, nahm dann - in alter Kreismanier - beide Gegenspieler mit auf die Reise und tankte sich und das Knäul aus Gegnern bis zum Kreis durch und schleuderte bzw. warf bzw. rollte bzw. auch irgendwie egal... den Ball ins Tor. Ausgleich. Der direkte Gegenstoß wieder einen hinten. Und dann sollte das Spiel noch einen letzten Moment für uns bereithalten...
Im Training ist es mittlerweile Tradition, dass wir zum Abschluss alle 7m-Werfen machen. Und einer, unsere 40, muss immer als Letzter ran. Und in den letzten Wochen hörte er oft vor seinem Wurf: "Stell dir vor, du hast kurz vor Schluss den Ball am 7m. Du musst treffen. Triffst du sind wir durch!" Und von der Seite kamen dann die erwartungsvollen Blicke der Mannschaft und die Rufe "Leon, Leon, Leon!" Ob er wirklich in diesem Moment daran dachte oder nicht, konnten die Reporter im Nachgang nicht in Erfahrung bringen, aber im Ergebnis stand am Ende: Er traf!!! Und wir sind in der Oberliga!!!
Die Mannschaft hat sich endlich für all die Vorbereitungen, die Trainingseinheiten, die Intervallläufe, die Stunden im Kraftraum belohnt und den Ball und die Oberliga festgehalten! Ich habe selten in so glückliche und euphorische Menschen geblickt. Nach Abpfiff wurde nach kurzem Zögern - sind wir wirklich drin - alles an Emotionen herausgelassen, was nur ging. "Oberliga, Oberliga, hey, hey...!!!" hallte es durch die Mildau-Halle und Gerüchten zufolge war die anschließende Kabinenparty bis nach Horst zu hören. Und womit? Mit Recht! Ihr seid eine Mannschaft, eine Einheit, jeder Einzelne von euch hat dazu beigetragen, dass das möglich war und jeder hat dann auch zu einer gelungen Feier beigetragen ;) und jetzt?! Jetzt heißt es...#OberligaNurMitUns


